Steuerquote steigt weltweit: Deutschland bei Sozialabgaben weit vorne

DDeutschland gehört im internationalen Vergleich zu den Ländern mit hohen Steuern. Auf Kosten von Steuern und Abgaben verlor der Staat im vergangenen Jahr 39,5 Prozent der Gesamtleistung der Wirtschaft. Das sind 1,6 Prozentpunkte mehr als 2020.

Damit liegt die Steuerbelastung in Deutschland deutlich über dem Durchschnitt der Industrieländer, der bei etwa 34 Prozent liegt. Dies belegt die Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Entwicklung der Staatseinnahmen. Allerdings hat die Corona-Krise in den meisten Ländern zu höheren Steuersätzen geführt.

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Bei der Besteuerung von Bürgern und Unternehmen gibt es große Unterschiede zwischen den 38 Mitgliedsstaaten. Überraschend ist, dass alle Länder mit hohen Steuern aus der EU kommen. Spitzenreiter ist Dänemark mit 46,9 Prozent des BIP, gefolgt von Frankreich (45,1 Prozent), Österreich (43,5) und Italien (43,3). Deutschland wurde auch von Finnland, Schweden und Norwegen überholt.

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Ein irisches Paradies für Steuerzahler

Am anderen Ende der Skala steht Mexiko (16,7 Prozent), das sich als Niedrigsteuerland erfolgreich als verlängerter Stützpunkt der USA etabliert hat. Aber auch in den USA ist der Staat relativ bescheiden, mit einem geringen Anteil von Steuern und Abgaben am BIP von 26,6 Prozent. In der Schweiz sind es 28 Prozent. Unter den EU-Ländern ist Irland mit einer Steuerbelastung von nur 21,1 Prozent ein Paradies für Steuerzahler.

Quelle: MIR-Infografik

Den größten Anteil an den Staatseinnahmen machen in Deutschland die Sozialversicherungsbeiträge aus, die fast 40 Prozent ausmachen. Renten- und Krankenversicherung sind hier besonders betroffen. Die zweitgrößte Einnahmequelle des Staates ist die Einkommensteuer mit 27 Prozent.

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In Deutschland betrifft diese Steuerart nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmer, da die meisten Unternehmen von den Eigentümern geführt werden. Die Körperschaftssteuern, zu denen neben der Körperschaftssteuer auch die Umsatzsteuer gehört, tragen mit 4,3 Prozent relativ wenig zu den Staatseinnahmen bei. Der OECD-Durchschnitt liegt doppelt so hoch.

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Steuern und Sozialabgaben

Trotz des geringen Anteils der Unternehmenssteuern an den gesamten Staatseinnahmen ist Deutschland für die Wirtschaft ein klares Hochsteuerland: Unternehmensgewinne werden pauschal mit 30 Prozent besteuert. Unter den großen Industrieländern ist diese Belastung nur in Japan relativ hoch.

Die Mehrwertsteuer und andere Umsatzsteuern wie Energie machen zusammen ein weiteres Viertel der Staatseinnahmen in Deutschland aus. Im Durchschnitt der OECD-Länder machen Verbrauchsteuern fast ein Drittel der Gesamteinnahmen aus. In den meisten EU-Ländern macht insbesondere die Mehrwertsteuer einen größeren Anteil am Staatshaushalt aus als hierzulande. In Estland beispielsweise beträgt ihr Anteil am Gesamteinkommen fast 27 Prozent. Amerikaner lehnen die Mehrwertsteuer grundsätzlich ab.

Alleinstehende müssen einen besonders hohen Preis zahlen

In Deutschland ist die Arbeitsbelastung der Beschäftigten extrem hoch. Zusammen mit den Belgiern sind die Deutschen weltweit führend bei der steuerlichen Belastung Alleinstehender mit Durchschnittseinkommen.

Allerdings ist die Bundesrepublik, wie die aktuelle Studie zeigt, bei weitem nicht bei allen Steuerarten führend. Die Vermögenssteuern, zu denen neben der Erbschaftssteuer auch die Grundsteuer gehört, machen nur 3,3 Prozent der kommunalen Steuereinnahmen aus. In den USA hat die Vermögensbesteuerung mit einem Anteil von 12,4 Prozent am Gesamteinkommen ein viel größeres Gewicht. Der OECD-Durchschnitt liegt bei mindestens 5,7 Prozent.

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Bedenken der Avantgarde

In Deutschland jedoch wird die von SPD, Linken und Grünen seit Jahren geforderte härtere Vermögenssteuer Unternehmer aufgrund einer traditionell mittelständisch geprägten Wirtschaft deutlich stärker treffen als in anderen Ländern. Demgegenüber dominieren im angelsächsischen Raum, aber auch in Frankreich und Luxemburg Kapitalgesellschaften, in denen das Betriebsvermögen auf viele Anteilseigner verteilt wird.

In Deutschland gibt es erbschaftsteuerliche Sonderregelungen, um mittelständische Unternehmen vor finanziellen Belastungen bei der Übergabe ihres Unternehmens an die nächste Generation zu schützen. Auch deshalb sind die Einnahmen aus dieser Steuerart mit rund elf Milliarden Euro gering im Vergleich zu den gesamten Staatseinnahmen, die im vergangenen Jahr bei mehr als 1,6 Billionen Euro lagen.

Quelle: MIR-Infografik

Das Geld, das die Staatskasse sammelt, geht an Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung. Von den mehr als einer halben Billion Euro im Jahr 2020 ging der größte Teil an die Sozialversicherungen zur Finanzierung von Renten, Sozialleistungen, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Seit 1995 haben sich die Prämieneinnahmen nahezu verdoppelt.

Und die Dynamik wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. 30 Prozent der Mitarbeiter gehen in den nächsten 15 Jahren in den Ruhestand. Zudem steigen in einer alternden Gesellschaft auch die Gesundheits- und Pflegekosten dramatisch an. So werden die Sozialversicherungsträger künftig eine Erhöhung des Anteils am BIP beanspruchen.

2020 erhielt der Bund gut 350 Milliarden Euro. Auf die Bundesländer entfielen 310 Milliarden Euro und auf die Gemeinden rund 106 Milliarden Euro. Im Vergleich zu den 1990er Jahren weist der Bundeshaushalt das geringste Wachstum auf. Kommunen und Länder erhielten in den vergangenen Jahren immer wieder Entlastungen zu Lasten des Bundes.

Auch der Bund hat in der Corona-Krise und in Folge der aktuell schwierigen Wirtschaftslage mehr als andere Ebenen Kredite aufgenommen. Auch deshalb werden im linken politischen Lager Rufe nach höheren Steuern lauter.

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