César Rendueles: “Gegen Chancengleichheit” – Verdeckte Schieflagen beseitigen

Wer für Gleichberechtigung kämpft, kann für Chancengleichheit kämpfen – wie der spanische Soziologieprofessor César Renduele. Die im Bildungssystem proklamierte Chancengleichheit ist nur ein Trick des Neoliberalismus, um gleiche Startchancen zu garantieren, die Menschen dann aber in eine Gesellschaft zu entlassen, die letztlich mit vielen versteckten Mechanismen Ungleichheit reproduziert.

Gleichberechtigung als Ziel, nicht als Ausgangspunkt

Gleichstellung sollte daher sowohl Methode als auch Ziel sein, so die Hauptforderung des Abstracts des Buches. Denn unsere Spezies ist nicht so wettbewerbsbesessen, wie die Vertreter der Chicago School glauben, sondern sehr egalitär, beweist Rendueles anhand der Evolutionstheorie und mancher Stammesgesellschaften.

Die Schule soll uns also nicht mit Fähigkeiten für das ewige Hamsterrad ausstatten, sondern uns als Gemeinschaftsmitglieder sozialisieren und damit die Demokratie stärken. Denn je mehr wir die Logik des Marktes verinnerlichen, desto weniger sozialer Klebstoff wird in der Gesellschaft sein, befürchtet Rendues. Öffentliche Schulen können eine Lösung sein.

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Für Grundeinkommen und Arbeitsplatzsicherheit

„Pamphlet“ heißt dieses Buch, obwohl schon seine Länge systematischer werden soll: In zwölf Kapiteln unternimmt Rendueles einen Marsch durch Institutionen, mal mehr, mal weniger konkret: Geschlechterverhältnisse, Ökologie, politisches System, Kultur.

Auf dem Arbeitsmarkt will er ein Grundeinkommen und Arbeitsplatzsicherheit; beide zielten darauf ab, das Arbeitsrattenrennen zu zähmen. Und eine Einkommensobergrenze soll Superreiche verhindern, die sonst dem politischen System schaden würden.

Sozialisierter strategischer Wirtschaftssektor, starke öffentliche Grundversorgung – Rendueles fordert mehr zentrale Planung, insbesondere bei der Organisation von Grundgütern: Energie, Gesundheit, Verkehr, Wohnen. Eine starke Bürokratie ist für Rendueles kein Monster, sondern ein Garant für die gerechte Verteilung aller Güter.

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In der Familienpolitik will er anders als manche Linke die Bildung in den sicheren Hafen der Familie stellen, sie aber vor dem Ansturm des Arbeitsmarktes und der Sozialleistungen schützen.

Sympathisches Motiv, Problemkonzept

So nachvollziehbar das Anliegen von Renduele ist, so problematisch wird der Begriff bei näherer Betrachtung: Statistiken, wissenschaftliche Zitate aus den Medien, sogar aus der Popkultur – Renduele zitiert viele Quellen, teilweise sehr freizügig.

Aus seiner marxistischen Brille gesehen sind Mitarbeiter grundsätzlich schwach, und von der Marktmacht von IT-Spezialisten hat er zum Beispiel noch nie etwas gehört. „Leistungsträger“ stellt er stets als Zerrbild dar, als gierige Autoenthusiasten mit Schweizer Nummernkonten.

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Befremdlich erscheinen auch Verweise auf die Evolutionstheorie und einfache Stammeskultur: Die Vorteile eines egalitären Lebens gelten nicht unbedingt für komplexe Industriegesellschaften.

Rendueles’ Anliegen, Ungleichgewichte unsichtbar zu machen, ist sympathisch: Vieles, was heute als radikale Linke gilt, ist längst westliche Standardpolitik: Sozialprogramme, Besteuerung der Reichen bei 90 Prozent. Gelobt wie in Erinnerung, vergaß Rendues die Lehren aus Sozialismus und Kommunismus. Eine Planwirtschaft als Lösung anzubieten, kann gefährlich naiv sein.

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